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Lipödem: Krankenkasse übernimmt Kosten für die Fettabsaugung jetzt in jedem Stadium

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Geschwollene, schmerzende Beine, die trotz Diät und Sport nicht schlanker werden – für viele Frauen mit Lipödem ist das jahrelange Realität. Oftmals vergehen Jahre, bevor die richtige Diagnose fällt. Das Lipödem wird häufig mit "normalem" Übergewicht verwechselt, ist aber eine eigenständige, chronische Erkrankung des Fettgewebes, die gesonderter Therapien bedarf. Für Betroffene hat sich dabei gerade einiges getan: Seit dem 1. Juli 2026 ist die operative Behandlung per Liposuktion erstmals in jedem Krankheitsstadium tatsächlich als Kassenleistung abrechenbar – nicht mehr nur im schweren Stadium III. Wir erklären, was ein Lipödem ist, woran man es erkennt, wie die Diagnose gestellt wird, welche Behandlungsoptionen heute empfohlen werden und was die neue Regelung konkret für Patientinnen bedeutet.


Lipödem
Lipödem

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine chronische, meist symmetrisch auftretende Vermehrung des Unterhautfettgewebes an den Extremitäten – überwiegend an Beinen, seltener auch an den Armen. Typisch ist, dass Hände und Füße von der Vermehrung ausgespart bleiben, wodurch ein auffälliger Übergang zwischen den betroffenen und nicht betroffenen Körperregionen entsteht. Fast ausschließlich betroffen sind Frauen; ein Zusammenhang mit hormonellen Umstellungen (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre) wird angenommen, ist aber wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

Wichtig für das Verständnis: Ein Lipödem ist keine Folge von "zu viel essen" oder "zu wenig Bewegung". Es handelt sich um eine krankhafte Gewebeveränderung, die sich durch klassische Diäten kaum beeinflussen lässt – ein Umstand, der für Betroffene oft besonders belastend ist, weil das Umfeld oder auch Ärzte die Beschwerden zunächst als reine Adipositas fehlinterpretieren.


Wie häufig ist ein Lipödem – und wer ist betroffen?

Zur tatsächlichen Häufigkeit des Lipödems gibt es bis heute keine verlässliche, auf aktuellen Diagnosekriterien beruhende bevölkerungsbasierte Studie – die vorliegenden Zahlen stützen sich auf ältere und methodisch unterschiedliche Untersuchungen. Häufig kursiert die Angabe, dass rund 10 Prozent aller erwachsenen Frauen in Deutschland betroffen seien, was mehreren Millionen Frauen entsprechen würde. Das Deutsche Ärzteblatt weist jedoch darauf hin, dass diese Zahl wahrscheinlich überschätzt ist, weil ältere Studien das schmerzhafte Lipödem nicht immer trennscharf von der schmerzfreien Lipohypertrophie und von reiner Adipositas abgegrenzt haben. Realistischere, aber ebenfalls unsichere Schätzungen bewegen sich zwischen rund 100.000 und einer Million betroffenen Frauen in Deutschland – die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie nennt eine Spanne von 500.000 bis einer Million.

Unabhängig von der genauen Zahl ist die Verteilung nach Geschlecht klar: Das Lipödem tritt praktisch ausschließlich bei Frauen auf, bei Männern wurde es bislang nur in Einzelfällen beschrieben, meist im Zusammenhang mit hormonellen Störungen oder Lebererkrankungen.


Was hat ein Lipödem mit Übergewicht zu tun, und worin unterscheiden sie sich?

Kaum ein Missverständnis begleitet Lipödem-Patientinnen so hartnäckig wie die Gleichsetzung mit "normalem" Übergewicht. Tatsächlich handelt es sich um zwei unterschiedliche Krankheitsbilder, die sich aber überlappen können.

Treten beide Erkrankungen gemeinsam auf, verstärken sich die Beschwerden häufig gegenseitig: Zusätzliches Körperfett erhöht die mechanische Belastung des ohnehin veränderten Gewebes, begünstigt Entzündungsprozesse und kann die Progression des Lipödems beschleunigen. Umgekehrt schränkt die Schmerzhaftigkeit und Schwellungsneigung des Lipödems oft die Bewegungsfähigkeit ein, was eine begleitende Gewichtszunahme fördern kann – ein Kreislauf, der ohne gezielte Unterstützung schwer zu durchbrechen ist.

Entscheidend ist die klare diagnostische Trennung beider Krankheitsbilder, da sie unterschiedliche Therapieansätze erfordern: Während bei Adipositas die Gewichtsreduktion im Zentrum steht, zielt die Lipödem-Therapie primär auf Entstauung, Schmerzlinderung und – bei Bedarf – die operative Entfernung des krankhaften Gewebes ab.


Lipödem - Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie
Lipödem - Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie

Symptome des Lipödems

Das Leitsymptom, das ein Lipödem von gewöhnlichem Übergewicht unterscheidet, ist der Schmerz. Typische Beschwerden sind:

  • Druck- und Berührungsschmerz im betroffenen Gewebe, oft schon bei leichtem Druck

  • Spannungs- und Schweregefühl, besonders nach langem Stehen oder Sitzen sowie bei Wärme

  • Neigung zu Hämatomen (blaue Flecken) schon nach geringen Stößen

  • Disproportion: Die Fettverteilung an Beinen oder Armen passt nicht zur restlichen Körperform, während Taille und Oberkörper oft schlank bleiben

  • Ödembildung, die im Tagesverlauf zunehmen kann

  • Im weiteren Verlauf können sich Hautveränderungen wie eine Orangenhaut-Struktur (Cellulite-ähnlich) sowie in fortgeschrittenen Stadien deutliche Fettgewebswülste zeigen

Nicht selten entwickeln Betroffene aufgrund der jahrelangen Fehldiagnosen und des gesellschaftlichen Drucks zusätzlich psychische Belastungen wie Scham, sozialen Rückzug oder depressive Symptome. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt deshalb ausdrücklich, die psychische Belastung im Behandlungskonzept mitzudenken und bei Bedarf mitzubehandeln.

Man unterscheidet nach dem äußeren Erscheinungsbild und dem Ausmaß der Gewebeveränderung drei Stadien:

  • Stadium I: glatte Hautoberfläche, gleichmäßig verdicktes Unterhautfettgewebe

  • Stadium II: unebene, wellige Hautoberfläche mit knotigen Verhärtungen im Fettgewebe

  • Stadium III: deutliche, großflächige Fettgewebswülste, die die Beweglichkeit einschränken können

Wichtig ist: Das Stadium beschreibt das äußere Erscheinungsbild, nicht automatisch die Schwere der Schmerzsymptomatik. Auch ein Lipödem im Stadium I kann mit erheblichen Beschwerden einhergehen.


Ursache: Was ist der Auslöser für das Lipödem?

Die genaue Ursache des Lipödems ist bis heute nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden mehrere Mechanismen:

  • Genetische Veranlagung: Ein Lipödem tritt familiär gehäuft auf, eine erbliche Komponente wird daher als wahrscheinlich angesehen. Sind Mutter, Schwester oder Großmutter betroffen, ist auch das eigene Risiko erhöht. Das Körpergewicht selbst ist dagegen kein zuverlässiger Risikofaktor – auch schlanke Frauen können ein Lipödem entwickeln.

  • Hormonelle Faktoren: Der Erkrankungsbeginn fällt häufig mit hormonellen Umstellungsphasen zusammen – also in der Pubertät, Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Das deutet auf eine Beteiligung von Östrogen hin – ein direkter Kausalzusammenhang ist aber nicht bewiesen.

  • Mikrogefäß- und Gewebeveränderungen: Untersuchungen zeigen bei Lipödem-Patientinnen eine erhöhte Durchlässigkeit kleiner Blutgefäße (Kapillarfragilität) sowie entzündliche und strukturelle Veränderungen im Fettgewebe, unter anderem eine vermehrte Einwanderung von Immunzellen (Makrophagen) und Veränderungen in der Genexpression des Fettgewebes.

  • Lymphatisches System: Anders als beim Lymphödem ist beim reinen Lipödem das Lymphgefäßsystem in frühen Stadien meist noch intakt. Mit fortschreitender Erkrankung kann sich jedoch sekundär ein Lymphödem entwickeln (sogenanntes Lipo-Lymphödem), weil das vermehrte Fettgewebe den Lymphabfluss zunehmend behindert.

Ein Lipödem ist also keine reine "Fettverteilungsstörung" im kosmetischen Sinne, sondern eine komplexe Erkrankung des Bindegewebes, der Blutgefäße und potenziell des Lymphsystems.

Auffällig ist zudem, dass das Fettgewebe bei Lipödem-Patientinnen auf klassische Diätmaßnahmen deutlich schlechter reagiert als das Fettgewebe an nicht betroffenen Körperstellen. Dieses Phänomen wird unter anderem auf eine gestörte Fettzellfunktion und veränderte Stoffwechselprozesse im betroffenen Gewebe zurückgeführt. Für Betroffene bedeutet das häufig die frustrierende Erfahrung, durch strenges Kalorienzählen zwar am Oberkörper, aber kaum an Beinen oder Armen abzunehmen – ein Effekt, der medizinisch nachvollziehbar ist und nicht mit mangelnder Disziplin verwechselt werden sollte.


In welchem Alter beginnt ein Lipödem typischerweise?

Der Beginn liegt meist in Phasen hormoneller Umstellung – am häufigsten kurz nach der Pubertät, seltener nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr; grundsätzlich ist ein Auftreten aber in jedem Lebensalter möglich.


Diagnostik: Wie wird ein Lipödem festgestellt?

Es gibt keinen einzelnen Labor- oder Bildgebungstest, der ein Lipödem beweist. Die Diagnose wird klinisch gestellt – also durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung und Anamnese, in Ergänzung durch einfache Funktionstests:

1. Anamnese Der Arzt oder die Ärztin erfragt Beginn und Verlauf der Beschwerden, familiäre Vorbelastung, hormonelle Auslöser sowie das Schmerzempfinden.

2. Körperliche Untersuchung Beurteilt werden Form, Symmetrie und Konsistenz des Fettgewebes sowie die typische Aussparung von Händen und Füßen.

3. Klinische Funktionstests

  • Kneiftest: Beim vorsichtigen Kneifen der Haut und des darunterliegenden Fettgewebes reagieren Lipödem-Patientinnen mit deutlichem Schmerz – ein wichtiger Hinweis, da Schmerzhaftigkeit bei reiner Adipositas typischerweise fehlt.

  • Stemmer-Zeichen: Dieser Test prüft, ob sich die Haut über den Zehen oder Fingern noch abheben lässt. Ein positives Stemmer-Zeichen (Haut lässt sich nicht abheben) spricht für ein begleitendes Lymphödem und nicht für ein reines Lipödem.

4. Differenzialdiagnostik Da sich die Beschwerdebilder überlappen können, ist die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen zentral:

  • Adipositas: keine Disproportion, keine typische Schmerzhaftigkeit, Fettverteilung meist generalisiert statt extremitätenbetont

  • Lymphödem: meist einseitig oder asymmetrisch, positives Stemmer-Zeichen, in der Regel keine ausgeprägte Druckschmerzhaftigkeit

  • Lipohypertrophie: schmerzlose Fettgewebsvermehrung ohne die typische Berührungsempfindlichkeit

  • Seltener müssen auch venöse Erkrankungen oder andere Ödemformen ausgeschlossen werden

5. Ergänzende Bildgebung Eine Sonografie des Unterhautfettgewebes oder in Einzelfällen eine Lymphszintigrafie können zur Abgrenzung eingesetzt werden, sind für die Diagnosestellung selbst aber nicht zwingend erforderlich. Die Leitlinie betont, dass die Diagnose primär klinisch erfolgt.

Da das Lipödem lange Zeit wenig bekannt war, vergehen laut Betroffenenberichten und Fachliteratur oft mehrere Jahre zwischen ersten Symptomen und korrekter Diagnose. Eine frühzeitige fachärztliche Abklärung – etwa bei Phlebologen, Lymphologen, Dermatologen oder spezialisierten Gynäkologen und Hausärzten – kann diesen Weg deutlich verkürzen.


Lipödem - Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie
Lipödem - Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie
Therapie: Wie wird das Lipödem behandelt?

Die Behandlung des Lipödems verfolgt zwei Ziele: Beschwerden lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Die aktuelle S2k-Leitlinie unterscheidet klar zwischen konservativen Basismaßnahmen und operativen Verfahren.


Konservative Therapie – die Basis jeder Behandlung

Komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE): Sie besteht aus mehreren Bausteinen, die häufig kombiniert werden:

  • Manuelle Lymphdrainage: reduziert Schwellung und Spannungsgefühl

  • Medizinische Kompressionstherapie: Kompressionsstrümpfe oder -bandagen unterstützen den venösen und lymphatischen Rückfluss und werden in der Leitlinie als zentrale Dauertherapie hervorgehoben

  • Bewegungstherapie: Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Aquajogging oder Nordic Walking wirken sich günstig auf Gewebe, Durchblutung und Wohlbefinden aus, ohne das Gewebe stark zu belasten

  • Hautpflege: zur Vorbeugung von Hautveränderungen und Infektionen

Gewichtsmanagement: Auch wenn ein Lipödem nicht durch Übergewicht verursacht wird, kann zusätzliches Körpergewicht die Beschwerden verstärken und die Progression begünstigen. Die Leitlinie empfiehlt daher ausdrücklich, eine begleitende Adipositas- beziehungsweise Übergewichtstherapie in das Gesamtkonzept einzubeziehen, wenn diese vorliegt.

Psychosoziale Unterstützung: Angesichts der oft langen Diagnoseodyssee und der psychischen Belastung durch das veränderte Körperbild wird empfohlen, bei Bedarf psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung anzubieten.


Operative Therapie: Liposuktion

Bei unzureichendem Ansprechen auf konservative Maßnahmen kann eine Liposuktion (Fettabsaugung) in spezialisierten Zentren erwogen werden. Ziel ist die dauerhafte Reduktion des krankhaft vermehrten Fettgewebes, was bei vielen Patientinnen zu einer Verringerung von Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung führt. In der Regel sind dafür mehrere Eingriffe notwendig, da das Fettgewebe schonend in mehreren Sitzungen abgetragen wird.


Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Lipödem-OP?

Lange war die Liposuktion beim Lipödem nur im Stadium III und im Rahmen einer befristeten Ausnahmeregelung eine Kassenleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Juli 2025 auf Basis neuer Studiendaten entschieden, die Liposuktion grundsätzlich – unabhängig vom Krankheitsstadium – in die Regelversorgung der GKV zu überführen. Damit besteht seither für Patientinnen mit Lipödem in den Stadien I bis III grundsätzlich ein Leistungsanspruch, sofern die medizinischen Kriterien erfüllt sind.

Die praktische Umsetzung für die ambulante Versorgung folgte zum 1. Juli 2026: Der Bewertungsausschuss hat den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) entsprechend angepasst, sodass Vertragsärztinnen und -ärzte die Liposuktion nun regulär abrechnen können.

Für die Abrechnung ist eine Überweisung durch einen Facharzt für Innere Medizin und Angiologie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Haut- und Geschlechtskrankheiten oder mit Zusatzweiterbildung Phlebologie erforderlich, der die Diagnosekriterien bestätigt. Behandelnde Ärztinnen und Ärzte benötigen zudem eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung entsprechend der Qualitätssicherungs-Richtlinie Liposuktion (QS-RL); bei ambulanten Eingriffen ist zusätzlich eine Genehmigung zum ambulanten Operieren notwendig. Vor dem ersten Eingriff müssen Anzahl der Teileingriffe, zu behandelnde Areale, abzusaugendes Fettvolumen sowie die maximale Tumeszenzlösungsmenge festgelegt und dokumentiert werden.

Für Patientinnen bedeutet die Neuregelung einen grundsätzlich deutlich verbesserten Zugang zur operativen Behandlung – auch in den früher ausgeschlossenen Stadien I und II. Da die Anforderungen der Qualitätssicherungs-Richtlinie jedoch erst flächendeckend umgesetzt werden, kann das tatsächliche Versorgungsangebot regional noch unterschiedlich ausfallen und es bestehen teils Wartezeiten. Betroffene sollten sich individuell bei ihrer Krankenkasse und in spezialisierten, zur Abrechnung berechtigten Praxen oder Kliniken informieren.


Welche Voraussetzungen müssen Patientinnen für die Indikationsstellung erfüllen?

Die zugehörige Qualitätssicherungs-Richtlinie Liposuktion (QS-RL) des G-BA definiert dafür klare medizinische Kriterien:

  • Gesicherte Diagnose: Ein Facharzt muss das Lipödem anhand der anerkannten Kriterien eindeutig bestätigen – u. a. Druck- oder Berührungsschmerz im Weichteilgewebe der betroffenen Extremitäten sowie die fehlende Betroffenheit von Händen und Füßen.

  • Ausgeschöpfte konservative Therapie: Ein lückenloser Nachweis über mindestens sechs Monate konsequent durchgeführte konservative Behandlung (z. B. Kompressionstherapie, manuelle Lymphdrainage, Bewegungstherapie) ist zwingend erforderlich.

  • Keine ausreichende Linderung: Diese konservative Therapie darf die Beschwerden nicht hinreichend gebessert haben – erst dann gilt die Liposuktion als medizinisch notwendig.

  • BMI-Grenze: Bei einem BMI über 35 kg/m² ist eine Liposuktion als Kassenleistung derzeit ausgeschlossen; in diesem Fall muss zunächst eine Behandlung der Adipositas erfolgen. Bei einem BMI zwischen 32 und 35 kg/m² wird zusätzlich ein unauffälliges Taille-zu-Größe-Verhältnis (Waist-to-Height-Ratio) verlangt, um sicherzustellen, dass tatsächlich das Lipödem und nicht eine allgemeine Adipositas im Vordergrund steht.

  • Stabiles Gewicht: In den sechs Monaten vor der Indikationsstellung darf keine wesentliche Gewichtszunahme stattgefunden haben.

Erst wenn diese Kriterien vollständig dokumentiert sind, kann die Überweisung zur Liposuktion durch einen entsprechend qualifizierten Facharzt erfolgen.


Lipödem - Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie
Lipödem - Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie
Kann die Abnehmspritze zur Behandlung des Lipödems eingesetzt werden?

Semaglutid (Wegovy/Ozempic), Tirzepatid (Mounjaro) und ähnliche GLP-1-Rezeptor-Agonisten werden zunehmend auch im Zusammenhang mit Lipödem diskutiert. Hier ist eine klare Unterscheidung wichtig: Lipödem-Fettgewebe ist biologisch anders aufgebaut als gewöhnliches Adipositas-Fett und gilt als weitgehend diätresistent. Bislang gibt es keine kontrollierten klinischen Studien, die eine direkte Wirkung von GLP-1-Agonisten auf das krankhafte Lipödem-Gewebe selbst belegen, und die aktuelle S2k-Leitlinie führt diese Substanzklasse nicht als Lipödem-Therapie auf.

Ein indirekter Nutzen ist jedoch bei den rund 60 Prozent der Patientinnen denkbar, die zusätzlich an einer allgemeinen Adipositas leiden: Eine Gewichtsreduktion kann Gelenke entlasten, die Mobilität verbessern und – bei einem BMI über 35, der in vielen Zentren gegen eine Liposuktion spricht – die Voraussetzungen für einen späteren operativen Eingriff schaffen. Erste Fallberichte und eine kleine prospektive Studie zu GLP-1-Agonisten beim (davon abzugrenzenden) Lymphödem deuten zudem auf mögliche entzündungshemmende Effekte hin, was als Hypothese auch für das Lipödem diskutiert wird – belastbare Evidenz dazu fehlt aber noch.


Leben mit Lipödem: Was Betroffene selbst tun können

Neben der ärztlich verordneten Therapie spielt das Selbstmanagement eine wichtige Rolle im Alltag. Die Leitlinie und die klinische Erfahrung nennen dabei mehrere Ansatzpunkte:

  • Konsequentes Tragen der Kompressionsversorgung, auch wenn dies im Alltag – etwa bei warmem Wetter – als unangenehm empfunden wird. Ein Wechsel zu flachgestrickten Kompressionsmaterialien kann bei fortgeschrittenen Stadien die Passgenauigkeit verbessern.

  • Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung: Schwimmen und Radfahren gelten als besonders geeignet, da der Wasserdruck beziehungsweise die gleichmäßige Belastung zusätzlich entstauend wirken, ohne das Gewebe stark zu erschüttern.

  • Hautbeobachtung: Da das Gewebe empfindlicher ist und Verletzungen begünstigt, empfiehlt sich eine sorgfältige Hautpflege sowie die frühzeitige Behandlung kleiner Verletzungen, um Infektionen wie ein Erysipel zu vermeiden.

  • Vernetzung mit anderen Betroffenen: Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen können helfen, mit der oft langen Diagnoseodyssee und dem gesellschaftlichen Unverständnis besser umzugehen.

  • Realistische Erwartungen an eine Gewichtsreduktion: Eine begleitende Ernährungsumstellung kann Begleiterkrankungen wie Adipositas positiv beeinflussen, wird aber die Grundstruktur des Lipödems selbst nicht auflösen. Das Therapieziel ist daher Symptomkontrolle und Progressionsverzögerung, nicht die vollständige "Heilung" durch Gewichtsverlust.

Wichtig ist außerdem die regelmäßige fachärztliche Verlaufskontrolle, da sich ein Lipödem im Zeitverlauf verändern und – insbesondere unbehandelt – in ein kombiniertes Lipo-Lymphödem übergehen kann.


Lipödem
Lipödem - Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie
Was entwässert den Körper bei Lipödem?

Eine häufig gestellte Frage – dabei geht es bei einem Lipödem genau genommen nicht in erster Linie um "Entwässerung" im klassischen Sinn: Das Hauptproblem ist ja die krankhafte Fettgewebsvermehrung, nicht primär eine Wasseransammlung. Trotzdem tritt oft zusätzlich ein Ödem (Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe) auf, besonders in fortgeschrittenen Stadien oder bei begleitendem Lymphödem. Was hier tatsächlich hilft:

Wirksame Maßnahmen gegen die Flüssigkeitseinlagerung:

  • Manuelle Lymphdrainage: Die wirksamste Methode – sie regt den Lymphabfluss aktiv an und transportiert eingelagerte Flüssigkeit ab.

  • Kompressionstherapie: Strümpfe oder Bandagen verhindern, dass sich neue Flüssigkeit ins Gewebe einlagert, und unterstützen den Rückfluss über Venen und Lymphgefäße.

  • Bewegung (Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking): Die Muskelpumpe der Beine unterstützt den venösen und lymphatischen Rückfluss.

  • Hochlagern der Beine: Entlastet abends den Abfluss.

  • Kühlung: Wärme verschlechtert typischerweise die Schwellung, Kälte (z. B. kühle Duschen) kann kurzfristig entstauend wirken.


Klassische Entwässerungstabletten (Diuretika) sind bei Lipödem nicht sinnvoll und nicht leitliniengerecht – sie entziehen dem Körper Wasser aus dem Blutkreislauf, wirken aber kaum auf die im Gewebe zwischen den Zellen (interstitiell) eingelagerte Flüssigkeit. Das kann sogar problematisch sein, da die Lymphe dadurch noch zähflüssiger wird und schlechter abfließt. Diuretika sollten daher nur bei anderen medizinischen Indikationen (z. B. Herzinsuffizienz) und nicht zur Behandlung des Lipödem-typischen Ödems eingesetzt werden.

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