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Herzstolpern – harmlose Extraschläge oder Zeichen einer Herzerkrankung?

  • 14. Juli
  • 7 Min. Lesezeit

Zuerst scheint das Herz auszusetzen, dann folgt ein kräftiger Schlag in der Brust – Herzstolpern kennen viele Menschen, und fast immer ist der erste Gedanke: „Ist das gefährlich?" Das Herz zu spüren und ein „Stolpern" wahrzunehmen, ist beunruhigend. Die gute Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen steckt hinter dem Stolpern ein harmloses Phänomen, das bei nahezu jedem Menschen gelegentlich auftritt. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Herzstolpern ärztlich abgeklärt werden sollte. Welche Auslöser stecken dahinter? Wann ist Vorsicht und eventuell ärztliche Abklärung geboten? Das sollten Sie über Herzstolpern wissen.


Herzstolpern – harmlose Extraschläge oder Zeichen einer Herzerkrankung?
Herzstolpern – harmlose Extraschläge oder Zeichen einer Herzerkrankung?

Was passiert beim Herzstolpern?

Unser Herz schlägt normalerweise regelmäßig, gesteuert vom sogenannten Sinusknoten – dem natürlichen Taktgeber im rechten Vorhof. Von dort breitet sich die elektrische Erregung geordnet über die Vorhöfe und Herzkammern aus, und das Herz zieht sich koordiniert zusammen.

Beim Herzstolpern, Mediziner sprechen von Palpitationen, funkt ein zusätzlicher elektrischer Impuls dazwischen: Eine Herzmuskelzelle außerhalb des Sinusknotens feuert vorzeitig und löst einen Extraschlag aus – man nennt dies eine Extrasystole. Dieser Extraschlag kommt „zu früh", die Herzkammern sind noch nicht vollständig mit Blut gefüllt, und der Schlag fällt schwächer aus. Nach der Extrasystole folgt häufig eine kurze Pause (die sogenannte kompensatorische Pause), bis der Sinusknoten den normalen Rhythmus wieder aufnimmt. Der nächste reguläre Herzschlag ist dann besonders kräftig, weil sich in der Pause mehr Blut in der Kammer gesammelt hat.

Genau diese Abfolge – schwacher Extraschlag, kurze Pause, kräftiger Folgeschlag – erleben viele Betroffene als das typische „Stolpern", „Aussetzen" oder „Poltern" des Herzens. Interessanterweise wird oft gar nicht die Extrasystole selbst gespürt, sondern der wuchtige Schlag danach.

Zwei Arten von Extraschlägen

Je nachdem, wo im Herzen der zusätzliche Impuls entsteht, unterscheidet man zwei Formen:

Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES) entstehen oberhalb der Herzkammern, also in den Vorhöfen oder im Bereich des AV-Knotens. Sie sind sehr häufig, treten auch bei völlig herzgesunden Menschen auf und gelten in aller Regel als harmlos.

Ventrikuläre Extrasystolen (VES) haben ihren Ursprung direkt in den Herzkammern. Auch sie kommen bei Gesunden vor und sind meist unbedenklich. Treten sie jedoch sehr häufig auf oder bestehen gleichzeitig Hinweise auf eine Herzerkrankung, verdienen sie mehr Aufmerksamkeit – dazu später mehr.

Wichtig zu wissen: Vereinzelte Extrasystolen sind kein Krankheitszeichen, sondern ein normales Phänomen. In Langzeit-EKG-Untersuchungen finden sich bei fast allen gesunden Erwachsenen gelegentliche Extraschläge – die meisten davon werden gar nicht bemerkt.


Ursachen – was sind Auslöser von Herzstolpern?

Bei herzgesunden Menschen lässt sich Herzstolpern oft auf ganz alltägliche Faktoren zurückführen. Zu den typischen Auslösern gehören:

  • Stress und emotionale Anspannung: Stresshormone wie Adrenalin machen das Herz „reizbarer" und begünstigen Extraschläge.

  • Schlafmangel und Erschöpfung: Ein übermüdeter Körper reagiert empfindlicher auf Rhythmusstörungen.

  • Koffein: Kaffee, Energydrinks oder starker Schwarztee können möglicherweise bei empfindlichen Personen Stolpern auslösen – wobei die Studienlage uneindeutig ist. Moderate Mengen Kaffee dürften für die meisten Menschen unproblematisch sein.

  • Alkohol: Vor allem größere Mengen können Extrasystolen und andere Rhythmusstörungen begünstigen (bekannt als „Holiday-Heart-Syndrom").

  • Nikotin: Rauchen und auch das Dampfen von E-Zigaretten wirken stimulierend auf das Herz.

  • Elektrolytstörungen: Ein Mangel an Kalium oder Magnesium – etwa nach starkem Schwitzen, Durchfall oder unter bestimmten Medikamenten – kann die elektrische Stabilität des Herzens beeinträchtigen. Magnesium wirkt bei tatsächlicher Hypomagnesiämie, aber die Supplementierung „auf Verdacht" bei normalen Werten ist nicht belegt.

  • Hormonelle Einflüsse: In den Wechseljahren, während der Schwangerschaft oder bei Zyklusschwankungen berichten viele Frauen über vermehrtes Herzstolpern.

  • Schilddrüsenüberfunktion: Eine überaktive Schilddrüse (z. B. bei Morbus Basedow oder einer Schilddrüsenautonomie beschleunigt den Stoffwechsel und macht das Herz anfälliger für Extraschläge und Herzrasen. Deshalb gehört die Kontrolle der Schilddrüsenwerte zur Basisdiagnostik bei Herzrhythmusstörungen.

  • Typisch für harmloses Herzstolpern: Es tritt eher in Ruhe auf – etwa abends auf dem Sofa oder beim Einschlafen – und verschwindet bei körperlicher Aktivität. Das liegt daran, dass der schnellere Grundrhythmus unter Belastung den vorzeitigen Impulsen schlicht „zuvorkommt".


Kann Übergewicht Herzstolpern verursachen?

Dass Übergewicht das Herz aus dem Takt bringen kann, wird oft unterschätzt – der Zusammenhang ist jedoch gut untersucht. Studien mit Langzeit-EKG zeigen, dass Menschen mit Übergewicht oder Adipositas messbar mehr Extraschläge haben als Normalgewichtige. Der Effekt ist zudem graduell: Mit steigendem Body-Mass-Index nimmt die Wahrscheinlichkeit für Rhythmusstörungen tendenziell zu.

Übergewicht wirkt aber selten „direkt" auf das Herz, sondern meist über ein Bündel an Begleitfaktoren, die häufig gemeinsam auftreten – erhöhter Blutdruck, Typ-2-Diabetes, eine (oft unerkannte) Schlafapnoe, eine chronische leichte Entzündungsaktivität sowie eine gesteigerte Aktivität des sympathischen Nervensystems. Bei stärkerem Übergewicht kann sich zudem die linke Herzkammer strukturell verändern und vergrößern, was Extraschläge zusätzlich begünstigt.

Anders als Alter oder erbliche Faktoren ist das Körpergewicht ein beeinflussbarer Risikofaktor. Eine Gewichtsreduktion – zusammen mit der Behandlung von Blutdruck, Blutzucker und einer eventuellen Schlafapnoe – kann Herzrhythmusstörungen nachweislich verringern. Bei Vorhofflimmern ist die Gewichtsabnahme sogar fester Bestandteil der Behandlungsempfehlungen geworden.


Warum spürt man das Herzstolpern gerade im Liegen und abends im Bett?

Dahinter stecken zwei Effekte, die sich überlagern. Zum einen überwiegt in Ruhe der beruhigende Teil des vegetativen Nervensystems (der Vagusnerv), der den Puls verlangsamt. Bei niedrigerem Grundrhythmus bekommen einzelne Extraschläge mehr „Raum", sich bemerkbar zu machen. Hinzu kommen mechanische Einflüsse: Im flachen Liegen fließt mehr Blut zum Herzen zurück, das Zwerchfell hebt sich, und in Linksseitenlage rückt das Herz näher an die Brustwand.

Zum anderen spielt die reine Wahrnehmung eine große Rolle – in der abendlichen Stille, ohne Ablenkung und mit dem Ohr am Kissen, fällt jeder kräftige Schlag deutlich stärker auf als tagsüber. Häufig ist das Stolpern nachts also gar nicht viel häufiger, sondern vor allem auffälliger. Auch das ist ein beruhigendes Muster – im Gegensatz zu Stolpern, das unter Belastung zunimmt.


Warnzeichen richtig deuten – wann ist Herzstolpern nicht mehr normal?

So beruhigend die Statistik ist – Herzstolpern kann in manchen Fällen auch Symptom einer behandlungsbedürftigen Herzrhythmusstörung sein. Hellhörig sollten Sie werden, wenn eines oder mehrere der folgenden Warnzeichen hinzukommen:

  • Herzstolpern in Verbindung mit Schwindel, Benommenheit oder kurzer Bewusstlosigkeit (Synkope)

  • Luftnot oder ein deutlicher Leistungsknick, etwa beim Treppensteigen

  • Brustschmerzen oder Engegefühl während der Episoden

  • Stolpern, das unter Belastung zunimmt statt zu verschwinden

  • Anhaltendes Herzrasen mit unregelmäßigem Puls über Minuten oder Stunden

  • Eine bekannte Herzerkrankung wie koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, Herzklappenfehler oder ein durchgemachter Herzinfarkt

  • Plötzliche Herztodesfälle oder schwere Rhythmusstörungen in der nahen Verwandtschaft, insbesondere in jungem Alter

In diesen Situationen sollte zeitnah eine ärztliche Abklärung erfolgen. Hinter den Beschwerden kann dann möglicherweise eine Herzerkrankung stecken.


Herzstolpern – harmlose Extraschläge oder Zeichen einer Herzerkrankung?
Herzstolpern – harmlose Extraschläge oder Zeichen einer Herzerkrankung?
Welche Krankheit kann hinter Herzrhythmusstörungen stecken?

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung überhaupt. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, mit steigendem Alter deutlich mehr. Dabei geraten die Vorhöfe in ein elektrisches Chaos, der Puls wird komplett unregelmäßig – oft verbunden mit Herzrasen, Leistungsschwäche oder innerer Unruhe. Manche Betroffene spüren allerdings kaum etwas. Vorhofflimmern ist deshalb so wichtig zu erkennen, weil es unbehandelt das Schlaganfall- und Herzschwächerisiko deutlich erhöht. Vorhofflimmern und Herzstolpern sind zwei unterschiedliche Phänomene, können sich aber ähnlich anfühlen. Der Unterschied zum harmlosen Stolpern: Beim Vorhofflimmern ist der Herzschlag über längere Zeit durchgehend unregelmäßig, nicht nur für einzelne Schläge.

Häufige ventrikuläre Extrasystolen

Häufige ventrikuläre Extrasystolen – also viele tausend Extraschläge pro Tag – können in seltenen Fällen die Pumpfunktion des Herzens auf Dauer schwächen. Nach den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) wird ab einem Anteil von etwa 10 bis 20 Prozent Extrasystolen an allen Herzschlägen eine genauere kardiologische Abklärung und gegebenenfalls Behandlung empfohlen.

Strukturelle Herzerkrankungen

Strukturelle Herzerkrankungenwie eine unerkannte Herzmuskelentzündung (Myokarditis), koronare Herzerkrankung, Herzklappenfehler oder eine Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie) können sich ebenfalls zuerst durch Rhythmusstörungen bemerkbar machen.


Diagnostik bei Herzstolpern: Wie läuft die Abklärung ab?

Wer wegen Herzstolpern in die Praxis kommt, muss keine aufwendige Prozedur befürchten. Die Basisdiagnostik ist unkompliziert und schmerzfrei:

  1. Anamnese – das ausführliche Gespräch: Wann tritt das Stolpern auf? In Ruhe oder unter Belastung? Wie lange dauern die Episoden? Gibt es Begleitsymptome, Vorerkrankungen, Medikamente, familiäre Belastungen? Schon diese Fragen liefern oft entscheidende Hinweise. Hilfreich ist es, vor dem Termin ein kurzes Symptomtagebuch zu führen: Datum, Uhrzeit, Dauer, Situation und Begleitumstände der Episoden.

  2. Ruhe-EKG: Das Elektrokardiogramm zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf. Werden dabei zufällig Extrasystolen erfasst, lässt sich sofort erkennen, ob sie aus dem Vorhof oder der Kammer stammen. Häufig ist das Ruhe-EKG allerdings unauffällig – schließlich stolpert das Herz selten genau in den wenigen Sekunden der Aufzeichnung.

  3. Langzeit-EKG: Deshalb ist das Langzeit-EKG über 24 bis 72 Stunden (in manchen Fällen auch länger) das wichtigste Instrument. Es zählt sämtliche Extraschläge, dokumentiert deren Ursprung und Verteilung und deckt auch Episoden von Vorhofflimmern auf. Moderne Alternativen wie Event-Recorder oder EKG-fähige Smartwatches können ergänzend sinnvoll sein, wenn die Beschwerden nur selten auftreten – die Bewertung der Aufzeichnungen gehört aber in ärztliche Hände.

  4. Laboruntersuchung: Bestimmt werden vor allem die Elektrolyte (Kalium, Magnesium), die Schilddrüsenwerte (TSH, ggf. fT3 und fT4) sowie je nach Situation Entzündungswerte und Blutbild. Gerade eine unentdeckte Schilddrüsenüberfunktion ist eine häufige und gut behandelbare Ursache von Herzrhythmusstörungen.

  5. Herzultraschall (Echokardiografie): Bei auffälligen Befunden oder Warnzeichen prüft der Ultraschall, ob das Herz strukturell gesund ist: Wie kräftig pumpt es? Sind die Klappen dicht? Ist der Herzmuskel verdickt oder vergrößert? Ein unauffälliges Echo in Kombination mit vereinzelten Extrasystolen ist ein sehr beruhigender Befund.

Je nach Ergebnis können weitere Untersuchungen folgen, etwa ein Belastungs-EKG oder – bei speziellen Fragestellungen – ein Kardio-MRT oder eine elektrophysiologische Untersuchung beim Kardiologen.


Therapie: Was hilft gegen Herzstolpern?

Die wichtigste „Therapie" bei harmlosen Extrasystolen ist häufig die Entwarnung selbst. Zu wissen, dass das Herz gesund ist und die Extraschläge keine Gefahr darstellen, nimmt vielen Betroffenen die Angst – und allein dadurch werden die Episoden oft seltener wahrgenommen. Denn Angst und die dadurch ausgeschütteten Stresshormone können einen Teufelskreis in Gang setzen, der das Stolpern weiter verstärkt.

Darüber hinaus haben sich folgende Maßnahmen bewährt:

  • Auslöser identifizieren und reduzieren: Wer merkt, dass Kaffee, Alkohol oder Schlafmangel das Stolpern triggern, kann gezielt gegensteuern.

  • Stressmanagement: Regelmäßige Entspannung – ob Atemübungen, Yoga, Spaziergänge oder Ausdauersport – wirkt nachweislich stabilisierend auf den Herzrhythmus.

  • Elektrolyte ausgleichen: Ein nachgewiesener Kalium- oder Magnesiummangel sollte behoben werden. Von einer Hochdosis-Einnahme „auf Verdacht" ohne Laborkontrolle raten wir dagegen ab.

  • Grunderkrankungen behandeln: Wird eine Schilddrüsenüberfunktion, ein Bluthochdruck oder eine andere Ursache gefunden, steht deren Therapie im Vordergrund – das Herzstolpern bessert sich dann meist von selbst.

Medikamente wie Betablocker kommen zum Einsatz, wenn die Extrasystolen sehr belastend sind oder gehäuft auftreten. Bei sehr hoher Extrasystolen-Last oder therapieresistenten Beschwerden kann eine Katheterablation erwogen werden: Dabei wird der Ursprungsort der Extraschläge im Herzen aufgesucht und gezielt verödet – ein etabliertes Verfahren mit hohen Erfolgsraten, das spezialisierten Zentren vorbehalten ist.

Bei Vorhofflimmern gelten eigene Therapiekonzepte, zu denen neben Rhythmus- und Frequenzkontrolle vor allem der Schutz vor Schlaganfällen durch gerinnungshemmende Medikamente gehört.


Trigger „Extrasystolen" – wenn die Herzangst zum eigentlichen Problem wird

Bei manchen Menschen entwickelt sich aus harmlosen Extrasystolen ein Eigenleben: Die Angst vor dem Herzstolpern wird belastender als das Stolpern selbst. Fachleute sprechen dann von einer Herzangst oder Kardiophobie (früher „Herzneurose"). Dabei wird ein eigentlich ungefährlicher Extraschlag als Zeichen einer akuten Herzgefahr fehlgedeutet – es entsteht Angst, die über Stresshormone das Herz zusätzlich reizt und die Aufmerksamkeit noch stärker auf jeden einzelnen Schlag lenkt. So schaukelt sich ein Teufelskreis auf, obwohl das Herz organisch völlig gesund ist. Typisch ist eine regelrechte Odyssee mit immer neuen Untersuchungen, die stets unauffällig bleiben.

Die Extrasystolen sind hier nur der Auslöser, nicht die eigentliche Erkrankung. Wenn die Beschwerden trotz unauffälliger Herzdiagnostik anhalten und die Angst den Alltag bestimmt, ist der richtige Weg nicht die zehnte Herzuntersuchung, sondern eine psychosomatische oder psychotherapeutische Unterstützung – etwa in Form einer Verhaltenstherapie, die den Teufelskreis aus Wahrnehmung, Fehldeutung und Angst gezielt durchbricht. Eine klare ärztliche Entwarnung ist dabei der erste und oft wirksamste Schritt.


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