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Die Herzmuskelentzündung – Wenn die Grippe ein Nachspiel hat

  • 24. Feb.
  • 6 Min. Lesezeit

Wer sich die Grippe oder eine heftige Erkältung einfängt, sehnt sich meist nur nach einem Ort: dem Bett. Beschwerden wie Fieber und Gliederschmerzen zwingen in der Regel zu Ruhe und Schonung. Doch auch wenn akute Symptome eines Infekts abklingen, sollten Sport und körperliche Anstrengung noch warten. Denn was vor allem jüngere, aktive Menschen oft nicht wissen: Ein grippaler Infekt, Covid-19 oder eine Magen-Darm-Erkrankung kann auch den Herzmuskel beeinträchtigen. Meist unbemerkt oder nur mit vagen Symptomen einhergehend kann dadurch eine sogenannte Herzmuskelentzündung (Myokarditis) entstehen und schwerwiegende Folgen verursachen. Wie erkennt man Anzeichen einer Herzmuskelentzündung, wie kann man ihr vorbeugen und wie lässt sie sich behandeln?


1. Was ist eine Herzmuskelentzündung?

Bei einer infektiösen Myokarditis kommt es zu einer Entzündungsreaktion im Herzmuskelgewebe. Meistens wird diese durch Viren ausgelöst, die im Rahmen einer Atemwegsinfektion oder eines grippalen Infekts in den Körper gelangen. Aber auch Magen-Darm-Infekte oder bakterielle Infektionen (z. B. mit Streptokokken) können die Zellen des Herzmuskels schädigen. Durch die Entzündung wird die Pumpfunktion des Herzens beeinträchtigt.


In leichten Fällen verläuft die Erkrankung nahezu unbemerkt und heilt folgenlos aus. In schwereren Fällen kann es zu Herzrhythmusstörungen, einer akuten Herzschwäche oder – selten – zu einem plötzlichen Herztod kommen. Ein bedeutsamer Risikofaktor ist körperliche Belastung während eines akuten Infekts. Intensive sportliche Aktivität kann die Ausbreitung der Entzündung begünstigen und den Verlauf verschlechtern.


Herzmuskelentzündung
Herzmuskelentzündung

Wie kündigt sich eine Herzmuskelentzündung an?

Die Symptome sind häufig unspezifisch. Viele Betroffene berichten zunächst über eine Erkältung oder einen grippalen Infekt mit Fieber, Husten, Gliederschmerzen oder Halsschmerzen. Nach Abklingen der typischen Infektzeichen bleibt jedoch ein ungewöhnlicher Leistungsabfall bestehen. Betroffene fühlen sich weiterhin erschöpft, sind schneller außer Atem oder bemerken Herzklopfen bei geringer Belastung.

Typisch ist, dass sich die Herzmuskelentzündung nicht immer durch starke Schmerzen bemerkbar macht. Stattdessen stehen oft Müdigkeit, Schwäche und eine verminderte Belastbarkeit im Vordergrund. Manche Patientinnen und Patienten berichten über ein Druckgefühl oder Stechen in der Brust, andere über Herzstolpern oder eine erhöhte Herzfrequenz in Ruhe. Schwindel oder kurze Ohnmachtsanfälle können ebenfalls auftreten.


Gerade diese unspezifischen Symptome führen dazu, dass die Erkrankung übersehen wird – insbesondere dann, wenn man sich nach einer Erkältung zu früh wieder körperlich belastet.


Die wichtigsten Frühsymptome im Überblick:

• Müdigkeit und Leistungsknick

• Abgeschlagenheit

• Anhaltendes Krankheitsgefühl

• Leichte Atemnot bei Belastung


Herzspezifische Symptome (treten sie nach oder während eines Infekts auf, sollten sie schnellstmöglich ärztlich abgeklärt werden):


• Herzstolpern oder Herzrasen

• Brustschmerzen oder Druckgefühl

• Kurzatmigkeit

• Schwindel oder Ohnmacht

• Erhöhte Herzfrequenz in Ruhe


Schwere Verläufe:

• Zeichen einer Herzschwäche (Ödeme, starke Atemnot)

• Niedriger Blutdruck

• Akute Kreislaufprobleme


Wichtig: Nicht jede Myokarditis verursacht deutliche Symptome. In manchen Fällen wird sie zufällig entdeckt, in anderen Fällen kann das rasche und zunächst verdeckte Fortschreiten der Herzmuskelentzündung zu einem plötzlichen Pumpversagen des Herzens führen.


Wie häufig ist die Herzmuskelentzündung?

Genaue Zahlen zur Häufigkeit der Herzmuskelentzündung gibt es nicht. Gerade weil sie häufig unbemerkt verläuft und von selbst wieder abheilt, dürfte die Dunkelziffer hoch sein. Schätzungen gehen davon aus, dass es jährlich bis zu 10 Fälle pro 100.000 Einwohner gibt. Männer erkranken deutlich häufiger als Frauen.


Wie wahrscheinlich ist eine Herzmuskelentzündung beim Sport?

Sport selbst verursacht keine Herzmuskelentzündung. Problematisch wird körperliche Belastung jedoch dann, wenn sie während eines akuten Infekts oder in der frühen Erholungsphase erfolgt. Intensive Belastung steigert die Herzfrequenz und den Stoffwechsel des Herzmuskels. Befinden sich noch Viren im Körper oder läuft die Immunreaktion auf Hochtouren, kann diese zusätzliche Beanspruchung die Entzündung fördern.

Insgesamt ist das Risiko einer Myokarditis bei sportlich aktiven Menschen gering. Dennoch spielt sie eine bedeutende Rolle im Zusammenhang mit plötzlichen Herztodesfällen bei jungen Sportlern. Herzmuskelentzündungen gelten als eine der häufigeren Ursachen in dieser Gruppe.


Kardiogener Schock – was bedeutet das?

Beim kardiogenen Schock ist die Pumpfunktion des Herzens so stark eingeschränkt, dass lebenswichtige Organe wie Gehirn, Nieren oder Leber nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Betroffene zeigen:

• Kalte, blasse Haut

• Niedrigen Blutdruck

• Schnellen Puls

• Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen

• Atemnot

Ohne sofortige Therapie kann dieser Zustand tödlich verlaufen.


Können auch Kinder nach einem Infekt an Herzmuskelentzündung erkranken?

Ja – auch Kinder können nach einem Infekt eine Herzmuskelentzündung entwickeln. Die Myokarditis gilt im Kindesalter als seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung. Viele Verläufe sind mild und heilen vollständig aus. In seltenen Fällen kann es jedoch zu schweren Komplikationen kommen, etwa einer akuten Herzschwäche. Besonders bei Kindern ist die Diagnose mitunter schwierig, da sie ihre Beschwerden oft nicht klar äußern können und die Symptome unspezifisch sind.


Das Robert Koch-Institut hatte Ende 2023 einen Anstieg von Herzmuskelentzündungen bei Kindern beobachtet. Eine Auswertung von Labordaten ergab anschließend, dass der Anstieg offenbar mit gehäuften Parvovirus-B19-Infektionen (Ringelröteln) zusammenhing.

Gerade bei Kindern kann eine Myokarditis zunächst wie ein banaler Infekt wirken. Entscheidend ist daher, auf ungewöhnliche Erschöpfung oder eine deutliche Verschlechterung nach einer Infektion zu achten.


2. Die Diagnose – Wie wird eine Herzmuskelentzündung festgestellt?

Die Diagnostik einer Herzmuskelentzündung stützt sich auf mehrere Säulen. Zunächst steht das ärztliche Gespräch im Vordergrund. Ein zeitlicher Zusammenhang mit einem Infekt liefert wichtige Hinweise. In der körperlichen Untersuchung können Herzgeräusche, Rhythmusstörungen oder Zeichen einer Herzschwäche auffallen.

Laboruntersuchungen geben Aufschluss über Entzündungswerte und Marker der Herzmuskelschädigung wie Troponin. Auch die Kreatinkinase (CK-Wert) kann erhöht sein, ist jedoch weniger spezifisch.

Ein Elektrokardiogramm (EKG) kann Rhythmusstörungen oder unspezifische Veränderungen zeigen. Die Echokardiografie (Herzultraschall) erlaubt eine Beurteilung der Herzfunktion und möglicher struktureller Veränderungen. Als besonders aussagekräftig gilt heute die Magnetresonanztomografie (MRT) des Herzens, da sie entzündliche Veränderungen im Gewebe sichtbar machen kann.

In der Regel kann keine einzelne Untersuchung allein die Diagnose einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) sicher stellen. Erst das Gesamtbild erlaubt eine belastbare Einschätzung.

In seltenen Fällen wird eine Gewebeprobe aus dem Herzmuskel entnommen, um die Diagnose histologisch zu sichern.


Wie hoch ist der CK-Wert bei einer Herzmuskelentzündung?

Die Kreatinkinase (CK) ist ein Enzym, das bei Muskelschädigungen im Blut ansteigt. Da auch das Herz ein Muskel ist, kann der CK-Wert bei einer Myokarditis erhöht sein. Allerdings ist dieser Wert unspezifisch. Körperliche Anstrengung, Muskelverletzungen oder andere Erkrankungen können ebenfalls zu erhöhten CK-Werten führen.

Bei einer Herzmuskelentzündung sind häufig herzspezifischere Marker wie Troponin aussagekräftiger. Troponin steigt bei Schädigung von Herzmuskelzellen an und gilt als sensibler Hinweis auf eine Beteiligung des Herzens. Die Höhe der Laborwerte erlaubt jedoch keine verlässliche Aussage über den genauen Schweregrad der Erkrankung. Sie sind stets im klinischen Zusammenhang zu beurteilen.


3. Wie wird eine Herzmuskelentzündung behandelt oder kann eine Herzmuskelentzündung von alleine heilen?

Die Behandlung hängt vom Schweregrad ab. Eine spezifische antivirale Therapie existiert in den meisten Fällen nicht – entscheidend ist die Entlastung des Herzens.

Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist konsequente körperliche Schonung. In vielen Fällen heilt eine Myokarditis tatsächlich vollständig aus. Der Herzmuskel benötigt allerdings Zeit, um sich zu regenerieren. Sportverbot und die Vermeidung körperlicher Belastung sind daher essenziell. Je nach Schweregrad kann eine mehrmonatige Trainingspause erforderlich sein. In dieser Zeit sollten regelmäßige ärztliche Kontrollen wahrgenommen werden.

Medikamentös richtet sich die Behandlung nach dem individuellen Verlauf. Bei Anzeichen einer Herzschwäche kommen Betablocker, ACE-Hemmer oder entwässernde Medikamente zum Einsatz. Rhythmusstörungen werden spezifisch behandelt. Eine gezielte antivirale Therapie existiert in den meisten Fällen nicht. Bei bestimmten immunologischen Ursachen können immunsuppressive Therapien erwogen werden.


Schwere Verläufe erfordern eine stationäre Überwachung, insbesondere wenn relevante Herzrhythmusstörungen oder eine deutlich eingeschränkte Pumpfunktion vorliegen.

In vielen Fällen heilt eine Myokarditis vollständig aus, wenn sie frühzeitig erkannt wird und körperliche Schonung eingehalten wird. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt eine dauerhafte Einschränkung der Herzfunktion zurück. In seltenen Fällen entwickelt sich eine chronische Herzschwäche.


Wie kann man einer Herzmuskelentzündung nach einem Infekt vorbeugen?

Das oberste Gebot lautet: keine zu frühe körperliche Belastung. Sport, schweres Heben oder intensive körperliche Arbeit sind strikt zu vermeiden, wenn z. B. akute grippale Symptome wie Fieber bestehen oder gerade erst abgeklungen sind. Auch Alkohol sollte gemieden werden, da er den Herzmuskel zusätzlich belastet.

Wer möglichst sicher gehen möchte, dass das Herz nach einer scheinbar ausgeheilten Erkrankung belastbar ist und schnell wieder zum Training oder zu körperlicher Anstrengung zurückkehren möchte, kann im Rahmen eines Gesundheitschecks oder einer sportmedizinischen Untersuchung eine mögliche Beeinträchtigung des Herzens abklären lassen.

In jedem Fall ist es wichtig, auf seinen Körper zu hören und nicht über ungewöhnliche Warnsignale nach einer Erkrankung – wie Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit oder Erschöpfung – „hinwegzutrainieren“.


4. Fazit

Die Herzmuskelentzündung ist eine komplexe Erkrankung mit vielfältigen Erscheinungsformen. Sie entsteht meist infektbedingt und äußert sich häufig unspezifisch. Eine sorgfältige Diagnostik und vor allem konsequente körperliche Schonung sind entscheidend für eine gute Prognose. Wer nach einem Infekt anhaltende Herzbeschwerden oder ungewöhnliche Erschöpfung bemerkt, sollte eine ärztliche Abklärung nicht hinauszögern.


Wer Warnsignale ernst nimmt und sich ausreichend Erholung gönnt, hat in den meisten Fällen gute Chancen auf eine vollständige Genesung. Bei sportlich ambitionierten Personen kann ein kardiologischer Gesundheitscheck sinnvoll sein – besonders dann, wenn nach einem Infekt noch Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit oder Atemnot bei geringer Belastung bestehen.


Herzmuskelentzündung
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