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Welt-HPV-Tag am 4. März: Was hinter dem Virus steckt und warum eine Impfung Leben retten kann

  • vor 6 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Viren weltweit. Die meisten Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal damit – oft, ohne es zu bemerken. In vielen Fällen heilt die Infektion von selbst aus. Einige HPV-Typen können jedoch Krebs verursachen. Daher spielen Aufklärung und insbesondere die HPV-Impfung eine wichtige Rolle in der modernen Krebsprävention. Der internationale Aktionstag „HPV Awareness Day“ am 4. März soll dazu beitragen. Er wurde von der International Papillomavirus Society ins Leben gerufen. Wir erklären, was es mit den Gesundheitsrisiken durch HPV auf sich hat und warum stärkere Aufklärung Leben retten kann.


HPV - Humane Papillomviren
HPV - Humane Papillomviren

1. Was ist HPV?

HPV steht für Humane Papillomviren. Dabei handelt es sich um eine große Gruppe von über 200 verschiedenen Virus-Typen, die Haut und Schleimhäute infizieren können. Rund 40 HPV-Typen werden durch sexuelle Kontakte übertragen und betreffen vor allem den Genital- und Analbereich.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Gruppen:


  • Niedrigrisiko-Typen: Sie können Genitalwarzen verursachen, sind aber selten mit Krebs verbunden (z. B. HPV 6 und 11).

  • Hochrisiko-Typen: Diese können Zellveränderungen auslösen, aus denen sich über Jahre Krebs entwickeln kann. Besonders relevant sind HPV 16 und 18, die für den Großteil der HPV-bedingten Krebserkrankungen verantwortlich sind.


Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Haut-zu-Haut-Kontakt beim Sex, auch ohne vollständigen Geschlechtsverkehr. Kondome reduzieren das Risiko, bieten jedoch keinen vollständigen Schutz, da auch nicht bedeckte Hautbereiche infektiös sein können.

Die Verbreitung von HPV ist so hoch, dass nahezu alle sexuell aktiven Menschen irgendwann im Leben Kontakt mit dem Virus haben, viele sogar mehrfach.


2. Was kann eine HPV-Infektion gefährlich machen?

Die meisten HPV-Infektionen verlaufen ohne Symptome und verschwinden innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst. Sollte der HPV-Test etwa beim Frauenarzt einmal positiv sein, gilt: keine Panik! Das Immunsystem beseitigt HPV in etwa 90 % der Fälle innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst. Dennoch ist in diesen Fällen das Wissen um eine Infektion von Vorteil, denn die Ausheilung kann so besser überwacht und kontrolliert werden.

Bleibt eine Infektion jedoch bestehen, kann sie zu chronischen Zellveränderungen und schließlich zu Krebs führen. Das gilt besonders, wenn die Infektion mit einer Hochrisiko-HPV-Variante erfolgt ist.

HPV kann verschiedene Krebsarten verursachen, darunter:

  • Gebärmutterhalskrebs

  • Analkrebs

  • Peniskrebs

  • Vulva- und Vaginalkrebs

  • Krebs im Mund- und Rachenraum (Oropharynx)


Besonders stark ist der Zusammenhang zwischen HPV und Gebärmutterhalskrebs: Fast jeder Fall von Gebärmutterhalskrebs wird durch eine HPV-Infektion verursacht.


3. Welche Folgen kann eine HPV-bedingte Krebserkrankung haben?

HPV trägt weltweit erheblich zur Krebssterblichkeit bei. In Deutschland erkranken jährlich rund 10.000 Personen an einer Krebserkrankung, die auf HPV zurückzuführen ist, die meisten davon Frauen (rund 7.000). Vor allem Gebärmutterhalskrebs gehört global zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen bei Frauen. In Europa und Deutschland sind die Zahlen durch Früherkennung zwar deutlich niedriger, dennoch bleibt HPV ein relevanter Risikofaktor.

In Deutschland erkranken jährlich etwa:

  • ca. 4.600 Frauen an Gebärmutterhalskrebsrund

  • 1.500 Frauen sterben daran


Zusätzlich treten mehrere tausend weitere HPV-bedingte Krebsfälle bei Frauen und Männern auf, etwa im Anal- oder Rachenbereich.


4. Welcher HPV-Typ ist am gefährlichsten?

Der gefährlichste HPV-Typ ist HPV 16. Er gehört zu den sogenannten Hochrisiko-HPV-Typen, die Krebs verursachen können, und ist verantwortlich für den größten Anteil HPV-bedingter Krebsfälle. Gefolgt wird HPV 16 von HPV 18.


5. Warum kann eine Aktion wie der HPV Awareness Day Leben retten?

HPV ist ein weit verbreiteter Erreger, und sexuell aktive Menschen können sich nicht vollständig vor einer Ansteckung schützen. Dennoch sind schwerwiegende Folgen einer Infektion dank medizinischer Fortschritte weitgehend vermeidbar. Der Grund: Seit dem Jahr 2006 ist eine Impfung gegen HPV verfügbar.

Die HPV-Impfung gilt als eine der effektivsten Maßnahmen zur Krebsprävention. Moderne Impfstoffe schützen vor den wichtigsten Hochrisiko-Typen (insbesondere 16 und 18) sowie vor den Typen 6 und 11, die Genitalwarzen verursachen.


Das Problem: Noch immer wissen zu wenige Menschen von dem hohen Nutzen der Impfung. Die HPV-Impfquoten sind in Deutschland nach wie vor zu niedrig. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) waren im Jahr 2024 lediglich 55 Prozent der Mädchen und nur 36 Prozent der Jungen im Alter von 15 Jahren vollständig geimpft.


Auch Impfskepsis und Falschinformationen über angebliche Langzeitfolgen dürften Gründe für die Zurückhaltung sein. Dabei bewerten medizinische Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden weltweit den Nutzen der HPV-Impfung deutlich höher als die möglichen Risiken. Weltweit wurden laut RKI bis 2022 mehr als 500 Millionen HPV-Impfdosen verabreicht.


Die HPV-Impfung gilt insgesamt als sehr sicher und wirksam. Dennoch können – wie bei jeder Impfung – Nebenwirkungen auftreten. Die meisten davon sind mild und vorübergehend.

Die häufigsten Reaktionen betreffen die Einstichstelle und klingen meist innerhalb weniger Tage ab:

  • Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Injektionsstelle

  • leichte Müdigkeit

  • Kopfschmerzen

  • leichtes Fieber

  • Muskel- oder Gelenkschmerzen

Diese Reaktionen zeigen, dass das Immunsystem auf den Impfstoff reagiert.


6. Was bringt eine Impfung gegen HPV?

Der aktuell eingesetzte 9-valente Impfstoff schützt wirksam gegen neun HPV-Typen, die zusammen für etwa 90 % der Gebärmutterhalskrebsfälle verantwortlich sind.

Studien aus Ländern mit hohen Impfquoten zeigen bereits deutliche Effekte:

• starke Reduktion von HPV-Infektionen• deutlich weniger Krebsvorstufen• langfristig Rückgang von Gebärmutterhalskrebs

Die Impfung kann eine Infektion nicht behandeln, schützt jedoch sehr effektiv vor einer zukünftigen Ansteckung mit den enthaltenen Virustypen.


7. Wer sollte sich impfen lassen – und wann?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für:

• Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren

In diesem Alter sind zwei Impfungen ausreichend, wenn sie im Abstand von mindestens fünf Monaten erfolgen.

Wird die Impfung erst ab 15 Jahren begonnen, sind drei Impfungen notwendig.

Der ideale Zeitpunkt ist vor dem ersten sexuellen Kontakt, da die Impfung dann den besten Schutz bietet. Auch eine spätere Impfung kann sinnvoll sein, selbst wenn bereits sexuelle Kontakte stattgefunden haben.


Die Impfung schützt nicht nur die geimpfte Person, sondern auch deren Sexualpartner:innen, falls diese selbst keine Impfung erhalten haben.

Zwar wird die HPV-Impfung typischerweise im Zusammenhang mit der Prävention von Gebärmutterhalskrebs genannt, doch ist die Einbeziehung von Jungen ebenso wichtig. Auch Männer können HPV-bedingte Krebsarten entwickeln und das Virus weitergeben.


8. Ist eine Impfung auch im Erwachsenenalter noch sinnvoll?

Eine HPV-Impfung kann auch für Erwachsene sinnvoll sein. Auch sexuell aktive Menschen mit 30 oder 40 hatten meist noch nicht Kontakt mit allen HPV-Typen, gegen die der Impfstoff schützt. Allerdings sinken Wirksamkeit beziehungsweise Nutzen der Impfung mit zunehmendem Alter und je nach Lebensführung. Daher übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Impfung in der Regel nur bis zum 18. Geburtstag. Eine Kostenübernahme für eine Impfung im Erwachsenenalter sollte vorab mit der Krankenkasse abgeklärt werden.

Studien zeigen jedoch, dass die Impfung auch bei Erwachsenen das Risiko für HPV-Infektionen und Krebsvorstufen reduzieren kann.


Fazit

HPV ist weit verbreitet und meist harmlos – kann in bestimmten Fällen jedoch Krebs verursachen. Da eine Infektion oft unbemerkt bleibt und sich erst Jahre später bemerkbar macht, ist Prävention entscheidend. Neben regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen spielt insbesondere die HPV-Impfung eine zentrale Rolle: Sie kann den Großteil der HPV-bedingten Krebsfälle verhindern und gilt daher als wichtiger Baustein der modernen Krebsprävention.

Die HPV-Impfung wird in Deutschland von verschiedenen ärztlichen Fachrichtungen durchgeführt. In der Regel erfolgt sie im Rahmen der regulären Vorsorgeuntersuchungen bei Kinder- und Jugendärzten, Hausärzten und Frauenärzten.

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