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Gürtelrose (Herpes zoster) – wie kann ich mich schützen und wie erkenne ich die Krankheit?

Sie beginnt meist mit überempfindlichen Hautstellen oder leichtem Unwohlsein, dann zeigt sich der charakteristische Hautausschlag: Die Gürtelrose (Herpes Zoster), ist eine häufige Viruserkrankung, die vor allem Erwachsene und ältere Menschen betrifft. Im Krankheitsverlauf kann sie starke Schmerzen verursachen sowie Komplikationen und Langzeitfolgen auslösen. Gerade ältere Menschen haben quasi keine Chance, sich vor einer Ansteckung zu schützen, denn das Virus schlummert bereits seit Langem inaktiv in ihrem Körper. Bei drei von zehn Erwachsenen bricht die Erkrankung aus. Bei Menschen ab 50 steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit mit den Jahren sogar noch an.


Was sie dennoch zum Schutz vor Gürtelrose für sich und ihre Nächsten tun können, wie sich die Erkrankung erkennen lässt und warum eine frühe Behandlung wichtig ist, erklären wir hier in diesem Beitrag.


Gürtelrose (Herpes Zoster)
Gürtelrose (Herpes Zoster)

1. Was ist Gürtelrose (Herpes Zoster)?

Die Gürtelrose ist eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV). Dieses Virus verursacht bei der Erstinfektion die Windpocken. Nach dem Abklingen der Windpocken verbleibt das Virus jedoch lebenslang im Körper – in einem inaktiven Zustand in den Nervenzellen des Rückenmarks und der Hirnnerven.

Kommt es Jahre oder Jahrzehnte später zu einer Schwächung des Immunsystems, kann sich das Virus erneut vermehren und sich entlang eines Nervenbahnsystems ausbreiten. Das Ergebnis ist die Gürtelrose.

Laut Robert-Koch-Institut erkrankt wahrscheinlich jeder Zweite, der das 85. Lebensjahr erreicht, einmal während seiner Lebensspanne an Gürtelrose. Und obwohl besonders häufig Menschen über 50 Jahre betroffen sind, können auch jüngere Erwachsene erkranken, vor allem bei:


  • starkem Stress

  • chronischen Erkrankungen

  • iImunsuppression (z. B. durch Medikamente oder Erkrankungen)


2. Symptome – wie macht sich eine versteckte Gürtelrose bemerkbar?

Eine Gürtelrose verläuft klassischerweise in mehreren Phasen. Zu Beginn entwickeln Betroffene ein allgemeines Krankheitsgefühl, das auch mit anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden kann. Es kann zu leichtem Fieber kommen. Außerdem kann die Haut stellenweise anfangen zu brennen oder zu kribbeln.

Innerhalb weniger Tage zeigt sich dann meist auf dem Brustkorb bzw. Rumpf, manchmal auch am Hals, im Gesicht oder an den Gliedmaßen, ein einseitiger, gürtelförmiger Hautausschlag, der sich entlang eines Nervenverlaufs ausbreitet.

Typische Merkmale des Exanthems sind gerötete Hautareale mit kleinen, flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Diese Phase ist charakteristisch für die Gürtelrose und erleichtert in der Praxis die schnelle Diagnose.

Die Bläschen können aufplatzen und eine klare Flüssigkeit freisetzen. Vorsicht, Ansteckungsgefahr: Solange nicht alle Bläschen verkrustet sind, kann das Virus durch Schmierinfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben werden.

Doch was ist, wenn der Hautausschlag und damit das spezifische Symptom der Erkrankung ausbleibt? Tatsächlich ist dies einer von mehreren möglichen Krankheitsverläufen. Man spricht dann von „Zoster sine herpete“. In diesen Fällen wird die Gürtelrose schnell mit Muskelverspannungen, Bandscheibenproblemen sowie Herz- oder Magenschmerzen verwechselt.

Wir raten dazu, starke, einseitige Nervenschmerzen ärztlich abklären zu lassen – vor allem, wenn Betroffene über 50 Jahre alt sind, Gesicht, Auge (Lichtempfindlichkeit, Schmerzen) oder Ohr betroffen sind oder die Beschwerden mit allgemeinem Krankheitsgefühl einhergehen. In diesen Fällen kann der Arzt einen Test mithilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zur Diagnosesicherung veranlassen.

Je früher Gürtelrose erkannt und behandelt wird, desto geringer ist das Risiko für Komplikationen oder Langzeitfolgen wie:


  • chronische Nervenschmerzen (Post-Zoster-Neuralgie)

  • Augenbeteiligung (Zoster ophthalmicus)

  • Ohr- & Gesichtsnervenbeteiligung (Ramsay-Hunt-Syndrom): Gesichtslähmung, Hörverlust, Tinnitus, Schwindel

  • bakterielle Superinfektion der Haut

  • andere neurologische Komplikationen (selten, aber ernst), wie Lähmungen, Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen

  • erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt, besonders in den ersten Wochen nach Gürtelrose


Welcher Ausschlag sieht ähnlich aus wie Gürtelrose?

Das klinische Bild bei klassischen Gürtelrose-Verläufen ermöglicht in der Praxis meist zuverlässig die Diagnose – sofern der Arzt die Krankheitsgeschichte, körperliche (Begleit-)Symptome und den Verlauf berücksichtigt und den Hautausschlag nicht isoliert betrachtet. Denn es gibt mehrere Hautausschläge, die auf den ersten Blick wie Gürtelrose aussehen können – vor allem im Frühstadium. Dazu zählen etwa Herpes simplex, Schuppenflechte, Kontaktdermatitis, Insektenstiche, bakterielle Hautausschläge oder Erysipel.

Unterschiede zur Gürtelrose stecken dabei meist im Detail:

  • Herpes simplex (HSV):

    • Kennzeichen: kleine Bläschen, Brennen oder Schmerzen

    • Unterschiede: meist nicht streng einseitig, kürzere Dauer, häufiger an Lippen, Nase oder Genitalien, nicht nerven- bzw. gürtelförmig verteilt

  • Schuppenflechte (Psoriasis):

    • Kennzeichen: rote Hautstellen (Plaques), Gefühl von Ziehen oder Spannen auf der Haut

    • Unterschiede: silbrig-weiße Schuppen auf den roten Flecken, keine Bläschen, keine Schmerzen, meist beidseitig und symmetrisch, Juckreiz

  • Kontaktdermatitis (allergisch oder toxisch):

    • Kennzeichen: Rötung, Bläschen, Juckreiz

    • Unterschiede: starker Juckreiz, kaum Nervenschmerz, meist beidseitig oder flächig

  • Insektenstiche / Bettwanzen:

    • Kennzeichen: gruppierte Hautveränderungen, Rötung, Schwellung

    • Unterschiede: Juckreiz dominiert, oft mehrere klar getrennte Punkte, keine Nervenschmerzen, nicht streifen- oder gürtelförmig

  • Impetigo contagiosa (bakterielle Hautinfektion):

    • Kennzeichen: Bläschen, nässende Stellen (hoch ansteckend)

    • Unterschiede: honiggelbe Krusten, kaum Schmerzen, keine Einseitigkeit, v. a. bei Kindern

  • Erysipel (Wundrose):

    • Kennzeichen: starke Rötung, Schmerzen, Fieber

    • Unterschiede: scharf begrenzte, flächige Rötung, meist keine Bläschen, eher Spannungs- als Nervenschmerz, oft an Beinen oder im Gesicht


Was sollte man bei einer Gürtelrose nicht tun?

Bei Gürtelrose gibt es ein paar klare Dinge, die Betroffene vermeiden sollten, weil sie den Verlauf verschlechtern oder Komplikationen auslösen können. Allgemein lässt sich sagen: Es handelt sich um eine Viruserkrankung, die den ganzen Körper belasten kann. Daher sind – besonders bei bestehendem Krankheitsgefühl – Ruhe und Schonung wichtig. Stress und Erschöpfung können die Heilung verzögern.

  1. Bläschen bei Gürtelrose nicht aufkratzen oder aufstechen. Das erhöht das Risiko für bakterielle Infektionen und kann Narben verursachen.

  2. Kontakt mit gefährdeten Personen vermeiden. Gürtelrose ist ansteckend, solange Bläschen offen sind, besonders für Schwangere ohne Windpocken-Immunität, Neugeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

  3. Den Weg zum Arzt nicht scheuen: Antivirale Medikamente wirken am besten, wenn sie frühzeitig verabreicht werden – nicht erst, wenn die Beschwerden kaum noch auszuhalten sind. Eigentherapie mit ungeeigneten Hausmitteln oder falschen Präparaten kann die Haut zusätzlich reizen oder im Fall z. B. kortisonhaltiger Cremes sogar die Virusvermehrung fördern. Unbehandelte Schmerzen und eine späte Therapie erhöhen das Risiko für Dauerschmerzen und Langzeitfolgen.

  4. Hygiene und Hautpflege nicht vernachlässigen: Um bakteriellen Superinfektionen der Haut vorzubeugen, sollte die tägliche Hygiene eingehalten werden. Baden, topische Verbände und die Gabe juckreizlindernder Medikamente können dabei helfen.

Gürtelrose (Herpes Zoster)
Gürtelrose (Herpes Zoster)

3. Behandlung von Herpes Zoster – Wie bekommt man am schnellsten eine Gürtelrose weg?

Bei unkomplizierten Verläufen von Gürtelrose verschwindet die Erkrankung von selbst wieder. In diesen Fällen besteht die Behandlung vor allem in der Kontrolle und Linderung der Schmerzen. Je nach Intensität kommen unterschiedliche Medikamente zum Einsatz.

Nach etwa 7–10 Tagen trocknen die Bläschen ein, verkrusten und heilen innerhalb von 2–4 Wochen ab.Die wichtigste Säule der Behandlung bei schwereren Verläufen, insbesondere bei Menschen mit Immunschwäche, ist eine frühzeitige antivirale Therapie – sie ist der schnellste Weg zur Besserung.


4. Wie kann ich mich vor einer Ansteckung mit dem Gürtelrose-Virus schützen?

Die Wahrscheinlichkeit, an Gürtelrose zu erkranken, nimmt mit zunehmendem Alter zu. Das liegt jedoch nicht daran, dass sich Menschen über 50 häufiger neu anstecken. Betroffene tragen das Virus meist bereits seit Jahren oder Jahrzehnten in sich. Vor 2004 waren Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus (VZV) bei über 95 % der Erwachsenen nachweisbar. In der Regel erfolgte die Ansteckung mit VZV bereits in der Kindheit.

Bei der Erstinfektion verursacht der Erreger die Windpocken. Auch nach Ausheilung der Windpocken verbleibt das Virus im Körper und zieht sich in Nervenknoten (Ganglien) zurück. Erst wenn es zu einer Schwächung der Immunabwehr kommt – durch hohes Alter, Stress, schwere Erkrankungen oder Medikamente –, kann das Virus „aufwachen“ und sich entlang eines Nervs ausbreiten.

Eine Möglichkeit gibt es jedoch, sich auch nach einer Windpocken-Infektion wirksam gegen einen Gürtelrosen-Ausbruch zu schützen: die Gürtelrose-Impfung. Seit einigen Jahren als Totimpfstoff verfügbar, ermöglicht sie Menschen über 50 einen 90–92-prozentigen Schutz vor Gürtelrose sowie ein deutlich geringeres Risiko für eine Post-Zoster-Neuralgie. Studien erwiesen den Totimpfstoff als sicher. Nebenwirkungen können allerdings in Form von Lokalreaktionen oder vorübergehenden allgemeinen Reaktionen (Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit) auftreten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung, die aus zwei Dosen im Abstand von mehreren Monaten besteht, für alle Menschen ab 60 Jahren sowie ab 50 Jahren bei erhöhtem Risiko.

In Zukunft werden sich ältere Menschen hoffentlich weniger vor Gürtelrose-Erkrankungen fürchten müssen: Seit 2004 empfiehlt die STIKO die Windpocken-Impfung als Standardimpfung für alle Kinder (im Alter von etwa 11–14 Monaten). Seitdem lässt sich in Deutschland ein deutlicher Rückgang der Windpockenfälle in allen Altersgruppen beobachten.


5. Fazit – Gürtelrose-Impfung und Aufklärung können ältere Menschen schützen

Die Gürtelrose ist eine häufige, ernst zu nehmende Erkrankung, die weit über einen vorübergehenden Hautausschlag hinausgehen kann. Besonders Menschen über 50 Jahre und Personen mit geschwächtem Immunsystem sind gefährdet. Starke Schmerzen und mögliche Langzeitfolgen wie die Post-Zoster-Neuralgie machen eine frühe Diagnostik und konsequente Therapie entscheidend.


Moderne antivirale Therapien, eine individuell angepasste Schmerzbehandlung und präventive Maßnahmen wie die Impfung ermöglichen heute eine bessere Kontrolle der Erkrankung und ihrer Folgen.

Eine gute Aufklärung ist dabei entscheidend: Sie hilft Betroffenen, Warnzeichen früh zu erkennen und rechtzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Typisch sind einseitige Nervenschmerzen und ein gürtelförmiger Hautausschlag. Die gute Nachricht ist: Die Windpocken-Impfung für Kinder und die Gürtelrose-Impfung für ältere Erwachsene, wie sie von der STIKO empfohlen werden, bieten einen wirksamen Schutz vor dem Ausbruch der Gürtelrose.



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